Tag 29 – 22.05.2023 Von Veliko Tanovo nach Sofia

Vom Veliko Tarnovo ging es heute in viereinhalb Stunden nach Sofia.

Die Schnellzüge sind unvergleichlich komfortabler – heute hatte ich einen Einzelsitz mit sogar für mich viel Beinfreiheit, Steckdose, angenehmen Temperaturen, einer breiten Kofferablage und großen Fenstern und das kam meiner Vorstellung von bequemer Zugreise schon recht nah.

Anfangs ging der Blick noch über weite Felder, näher an Sofia wurde es zunehmend bergiger.

Während der Bahnhof in Veliko Tarnovo nostalgisch wie die meisten bulgarischen Provinzbahnhöfe aussieht, ähnelt der Bahnhof in Sofia eher einem futuristischen Flughafen.

Wenn die Übersetzung stimmt, steht im Emblem im linken Bild „Wächst, wird aber nicht alt“, was ein hübsches Motto ist.

Vom Appartement ging ich nur noch zum Einkaufen – auch hier sind die in Ungarn, Rumänien und Bulgarien häufig anzutreffenden Oberleitungsbusse unterwegs.

Im Laden unterhaltsam „lost in translation“.

Und auch in Sofia blühen die Kastanien!

Tag 28 – 21.05.2023 Veliko Tarnovo

Beim Aufwachen bin ich malad – der Hals tut weh, die Nase dicht (doch alle Tests seit vorgestern sind negativ). So verbringe ich den Vormittag mit Rekreation und der Blick aus dem Hotelzimmer sorgt für Lokalkolorit.

Zwei Zitronen und eine halbe Ingwerknolle später geht es mir gut genug, um Bewegung und frische Luft in das Rekonvaelszenzprogramm aufzunehmen. Sobald ich das Hotel verlasse, falle ich von einem Erstaunen ins nächste.

Dass ich von der Hauptstrecke zwischen Bukarest und Sofia gestern noch eine kleines Stück mit einem Bummelzug hierher fahren musste und der Weg vom am Stadtrand gelegenen sehr kleinen Bahnhof ins Hotel auch eher usselig war, hat in keiner Weise erahnen lassen, wie groß Veliko Tarnovo auch heute noch ist und vor allem nicht wie spektakulär gelegen.

So trifft mich auf dem Weg zur Festung Zarewez hinter einer Hausecke dieser Ausblick völlig unerwartet.

Auf einmal wird angesichts der Lage völlig verständlich, weshalb Veliko Tarnovo die Hauptstadt des Zweiten Bulgarischen Reiches war. Von der auf einem Hügel inmitten einer Flußschlaufe des Jantra gelegenen Festung Zarewez und der Stadt aus hat man bis zum Horizont alles im Blick.

Gerne würde ich noch etwas die Umgebung erkunden, doch morgen geht es weiter nach Sofia.

Tag 27 – 20.05.2023 Von Bukarest nach Veliko Tarnovo

Es ist wieder Reisetag.

Zum letzten Mal der Glockenklang der Biserica Luterană (Lutheran Church), bevor es zum Bahnhof geht.

Vom Bahnhof Bucuresti Nord fährt eine Art S-Bahn mit Gepäckablage in 3 Stunden bis nach Ruse, das kurz hinter der bulgarischen Grenze liegt.

Die Donau bildet über 608 km die Grenze zwischen Rumänien und Bulgarien und ich habe sie noch nie in solcher Breite gesehen wie bei der Überfahrt nach Ruse. (Leider kein Foto wegen der graffitibemalten Scheiben).

Auch hier ausführliche Grenzkontrollen mit Einsammeln der Ausweise, bzw. Pässe, Warten, Aushändigen, jeweils einmal pro Land.

Ich wüsste zu gerne, was da eigentlich kontrolliert wird. Werden alle Ausweise geprüft und die Ein- und Ausreise registriert? Werden nur Stichproben gemacht? Sind die EU-Länder vernetzt? Gerade habe ich gelesen, dass Bulgarien und Rumänien noch nicht Teil des Schengen-Raums sind, was die vergleichsweise ausführlichen Kontrollen erklärt.

Die halbe Stunde Umstiegszeit ist damit vergangen und fast alle hüpfen rasch in den einzigen anderen Zug, der geduldig wartet, da auch er Teil der einzigen täglichen Zugverbindung von Bukarest nach Sofia ist.

So rattern wir weitere zwei Stunden in einem alten Intercity durch die flache, grüne Mailandschaft und ich bin sehr froh, dass ich am richtigen Bahnhof aussteige, da hier nur kleine Schildchen am Bahnhofsgebäude den Ortsnamen zeigen, die sich ausserdem gerne hinter Zweigen verstecken.

Während des einstündigen Aufenthalts in Gorna Oryahovitsa braut sich ein Gewitter zusammen, das sich kurz darauf auch mit prasselnden Regenschauern entlädt.

Die Fahrt von Gorna Oryahovitsa nach Veliko Tarnovo dauert zum Glück nur achtzehn Minuten, alles dampft vom warmen Regen. Am Bahnhof angekommen regnet es noch immer, wenn auch nicht mehr so stark, kein Taxi frei, kein Bus in Sicht, also stapfe ich mit dem Koffer 20 Minuten durch regennasse Straßen und bin sehr froh, nass, verschwitzt und mit Halsschmerzen vom Vortag den Koffer in das Zimmer im dritten Stock gehievt zu haben und nach einer heißen Dusche sogar noch einen geöffneten Supermarkt zu finden, um bei Ingwertee den Abend ausklingen zu lassen.