Über Plovdiv lobend zu schreiben ist ein wenig wie Eulen nach Athen zu tragen. Eine der ältesten Städte Bulgariens. Kulturhauptstadt Europas 2019. Vorgeschlagen für das UNESCO Weltkulturerbe (wenn auch zurückgezogen). Man kann sich leicht und in besserer chronologischer Reihenfolge als hier die herausragenden Denkmäler und die sehr lange und interessante Geschichte im Internet heraussuchen (hier fand ich den englischen Wi*kipedia Artikel sehr hilfreich). Ich habe sie mir beim Spaziergang durch die Stadt ein wenig „erpuzzelt“ frei nach dem Motto „When in Plovdiv do as the tourists do.“.
Plovdiv wirkt wie die mit Abstand am umfassendsten modernisierte Stadt Bulgariens, die ich besuche und die „touristischste“ obendrein. Bereits am Bahnhof wird man durch eine Unterführung geleitet, in der sich Souvenirladen an Souvenirladen reiht (ein Aufzug wäre mir wieder lieber gewesen, grummel). In der Fußgängerzone ist Plovdiv von einer westeuropäischen Stadt kaum zu unterscheiden. Ebenfalls auffällig in einem Land, zu dem man viel über die alternde und zahlenmäßig schrumpfende Bevölkerung lesen kann (von 8,8 Mio. 1980 zu derzeit 6,8 Mio.) ist der sehr hohe Anteil an jungen Menschen, vermutlich auch aufgrund der Universitäten der Stadt.
Mein Weg führt mich an der Staatsoper Plovdiv vorbei, leider gibt es während meines Aufenthalts keine Aufführung, Richtung Innenstadt und Forum Romanum von Philippopolis (im Hintergrund das Gebäude der Hauptpost).


Von dort geht es durch die Fußgängerzone und vorbei an den Resten des antiken Stadions zur Sveta Bogoroditsa Kirche. – Das Schaf mit seinem allzu menschlichen Blick macht mir etwas Angst.


Auch neben der Kirche gibt es Rätselhaftes zu bestaunen. Vorne Sphinx mit Insektenaugen und hinten Meerjungfrau? Bei der Morgengymnastik? Leider habe ich nirgendwo herausfinden können, worum es sich bei dieser wohl modernen Statue handelt.

Das antike Theater ist wirklich großartig – Standort, Ausblick, Erhaltungszustand. Sehr schade, dass es noch zu früh im Jahr für eine Aufführung darin ist.

Von dort spaziere ich weiter durch die Altstadt von Plovdiv, für die „malerisch“ genau der richtige Begriff ist. Einige der alten Kaufmannshäuser wurden (zum Teil erst in den letzten sechs, sieben Jahren) aufwändig restauriert. Z.B. ist sowohl die Dokumentation als auch das Ergebnis der Restaurierung des Klianti House, dem Wohn- und Geschäftssitz eines wohlhabenden Kaufmanns im 19. Jahrhundert, sehenswert.





Auch den weiteren Nachmittag verbringe ich mit dem Bummeln durch die Altstadt mit dem Hippocrates Pharmacy Museum, dem Hisar Kapia Tor und dem regionalen ethnographischen Museum. Highlight ist natürlich der Hund aus dem 21. Jahrhundert.






Auch besichtige ich dort das historische Museum. Es widmet sich neben der Darstellung der Stadtgeschichte und dem Miteinander der verschiedenen Kulturen und Religionen auch dem Thema der „bulgarischen Wiedergeburt“. Ein Schwerpunkt liegt insbesondere auf der 3. Phase im 19. Jahrhundert, die schließlich mit zur Unabhängigkeit Bulgariens (vom osmanischen Reich) führt (extremst verkürzt dargestellt). Davon beschäftigt sich wiederum ein nicht unwesentlicher Teil mit Vasil Lewski, dem „Apostel der Freiheit“, der sich in so zahlreicher Hinsicht (Jugendlichkeit, Aussehen, Sendungsbewusstsein, tragischer Tod) als Identifikationsfigur für die Unabhängigkeitsbewegung eignet, dass es sich nicht besser ausdenken liesse.
Der Rückweg führt noch an erstaunlichen Anregungen für Souvenirs und Mitbringsel vorbei.


Nach einem sehr guten Tuna tataki in Sesamkruste im Restaurant Hemingway geht es durch den Tsar Simeon Garden zurück ins Appartment.


