
Die Dame an Schalter 21 des Sofioter Bahnhofs strahlt mich an.
Ich strahle zurück, froh, rechtzeitig eine gute halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges um 10:15 am Schalter für internationale Tickets zu stehen und die Sitzplatzreservierung zu kaufen, die ich laut Interrail-App benötige. Ich erkläre auf englisch mein Anliegen. Immer noch überschwänglich lächelnd deutet sie vage mit der Hand in die weite Bahnhofshalle hinter mir. „Downstairs, downstairs. Reservations downstairs.“
Innerlich leise seufzend schleppe ich den großen Koffer die Treppen hinunter, um mich dort an einem der Schalter anzustellen. Diesmal präpariere ich mein Anliegen schon in der Übersetzungsapp, betrachte einmal mehr das kyrillische Schriftbild und hoffe, dass alles richtig übersetzt wurde. Offensichtlich ist das der Fall, denn als ich der tatsächlich nicht englisch sprechenden Dame hinter der Glasscheibe den Text zeige, sehe ich, wie sich erleichtertes Verständnis in ihrer Miene spiegelt, das sich sogleich in bedauernde Ablehnung verwandelt. Wohl in der irrigen Meinung, wenn die App bulgarisch versteht, würde ich es auch verstehen, werde ich mit einem bulgarischen Wortschwall überschüttet. Auf meinen fragenden Gesichtsausdruck hin wird das Ganze lauter und eindringlicher wiederholt und ich werde auch hier durch Handbewegungen weitergewedelt, diesmal an den Nachbarschalter.
Dort werde ich wieder nach oben gewedelt verwiesen und dort, wer hätte es geahnt, von Schalter 15 wieder zu der freundlichen Dame von Schalter 21 für internationale Tickets.
Inzwischen ist es kurz vor zehn und nervös beobachte ich die Diskussion mit dem Pärchen vor mir, dem sie durchaus Tickets verkauft.
Nun bin ich wieder an der Reihe und sehr entschlossen, diesen Teufelskreis des „an den nächsten Schalter gewedelt-Werdens“ zu durchbrechen. „Hi, it’s me again. Your colleagues wouldn’t sell me a reservation because they don’t understand me and the train leaves in about 15 minutes and I need a reservation.“ „Counter 15“ „No, she doesn’t understand me there!“ „Ok, I come with you.“
Worauf sie zur stummen Entrüstung aller hinter mir Wartenden auch wirklich in das Büro von Schalter 15 zu ihrer Kollegin geht, wo mein Interrail-Ticket einer intensiven Prüfung unterzogen wird und mir nach lebhafter Diskussion der beiden Damen untereinander eine Sitzplatzreservierung für 50 Stotinki (ca. 25 Cent) überreicht wird. Geistesgegenwärtig frage ich noch nach dem Gleis (10 East) und sitze rechtzeitig um kurz nach zehn im Zug nach Plovdivv.


wow!! 45Tag 36 – 29.05.2023 Von Burgas nach Hamburg
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