Tag 23 – 16.05.2023 Brașov

Von den wenigen Städten, die ich in Rumänien gesehen habe, war Brașov (jahrhundertelang eines der Zentren der Siebenbürger Sachsen) bisher die schönste. Wie bisher in allen dieser Städte ist die Innenstadt/Altstadt wieder zu großen Teilen malerisch restauriert und spätestens an den äußeren Rändern dieser Innenstädte beginnt es dann zu „bröckeln“ oder sieht zumindest häufig wie lange nicht mehr instand gehalten aus.

Der heutige Tag führt mich einfach kreuz und quer durch die Stadt. Auf dem Weg in die Innenstadt komme ich gleich an futuristisch anmutender sozialistischer Hochhausarchitektur vorbei:

So alt und zerfallen auch manchmal die Gebäude sein mögen, so voller Schlaglöcher und Unebenheiten Straßen und Bürgersteige, so gibt es bisher in allen Orten sehr schöne Parks, so auch hier und auch mit interessanten Denkmälern wie das von Andrei Muresanu, Poet und Revolutionär (was ja insbesondere in dieser Konstellation eine schwer zu übertreffende Berufsbezeichnung ist). Und überall blühen die Kastanien!

Denkmal von Andrei Muresanu

Im Park auch ein Theater, das ich aufgrund der Plakate sofort besuchen würde, könnte ich nur etwas verstehen:

Alt und neu stehen häufig in spannendem Kontrast wie hier die Gebäude links und rechts vom Park:

Durch die Altstadt gelange ich zur Biserica Neagră (Schwarzen Kirche), wie sie seit einem Brand im 17. Jahrhundert genannt wird, und erfahre zum ersten Mal von dem siebenbürgisch-sächsischen Humanisten, Reformator und Universalgelehrten Johannes Hortenus aus dem 16. Jh., der einen äusserst spannendes Leben geführt und u.a. die Reformation in Siebenbürgen eingeführt hat.

In der strengen, kalten und dunklen gotischen Kirche fand ich das (deutsch beschriftete) Zunftgestühl am beeindruckendsten, hier die Darstellung der zehn Tugenden:

Über den Marktplatz und durch die Altstadt zurück spaziere ich zum Muzeul Amintirilor din Comunism (Tales of Communism Museum). Das ist ein sehr kleines Museum und es versammelt zahlreiche Gegenstände (Möbel, Gegenstände des täglichen Gebrauchs etc.) aus der Zeit des Kommunismus in Rumänien. Ergänzt wird diese Sammlung durch anekdotische Berichte von Zeitzeugen, die gerade durch die Schilderung persönlicher Erfahrungen auf eindringliche Weise die Auswirkungen insbesondere der unmenschlichen Austeritäts- und Familienpolitik unter der Ceau*șescu-Diktatur veranschaulichen. Heute erscheint es unvorstellbar, dass hier noch in den 1980er Jahren Strom, Heizung und auch Lebensmittel bis hin zur Hungersnot rationiert waren. Eindrücklich ist auch die Wandtafel der Ereignisse um László Tőkés, die schließlich Ende 1989 mit zum Sturz des Regimes führen. Im Park von Brașov erinnert nicht nur ein Denkmal an die hier getöteten RevolutionärInnen, sondern sie sind auch hier im Park inmitten der Stadt bestattet:

Im Anschluss wandere ich ein Haus weiter zum Muzeul de Artă (Kunstmuseum) und fühle mich schon ein ganz klein wenig bewandert, als ich auch hier Bilder von Nicolae Grigorescu und Ștefan Luchian sehe, deren Werken ich auch schon in Cluj Napoca begegnet bin, und die mit Ion Andreescu als Mitbegründer der modernen rumänischen Malerei gelten.

Ștefan Luchian „Two Cats“

Die temporäre Ausstellung moderner Kunst thematisiert bildkräftig den Klimawandel:

Auf dem Weg zurück zum B&B mache ich noch einen kurzen Abstecher zum Turnul Alb (Weissen Turm), von dem aus man einen schönen Blick auf die Stadt am Fuße der Karpaten hat:

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